Die Ortschaft Rast

Geschichtliches


Der Ortsteil Rast kann auf ein 950 jähriges Jubiläum zurückblicken. Die Gründung des Ortes liegt aber sicherlich viel weiter zurück.
Nach neuesten Erkenntnissen wurden die Pfahlbauten in Uhldingen vor mindestens 3000 Jahren bewohnt und im 12. Jahrhundert vor Christus, also der späten Bronzezeit, war in Ennetach bei Mengen eine Siedlung angelegt, die der Überwachung der durch das Ablachtal führenden Handelsroute diente. Damit wäre bewiesen, dass unsere Gegend etwa 40-45 nach Christus durch die Römer erobert wurde.
Es ist klar zu erkennen, dass Rast an der alten Reichs-Heeresstraße Ulm- in Richtung Stockach Petershausen und Zürich lag und zur damaligen Zeit eine Ausruhe und Verpflegungsstätte war.

Die Entstehung des Ortsnames dürfte eindeutig auf "rasten","ausruhen", nach einer bestimmten Strecke, zurück zu führen sein. Diese einfache Deutung des Namens ist besonders einleuchtend, wenn man Rast in Verbindung mit einigen Nachbarorten sieht und sie weist zugleich darauf hin, dass die Namensgebung vor das Jahr 1000 zurückfällt.
Die fränkischen Könige jener Zeit hatten noch keine feste Residenz im heutigen Sinne. Sie bereisten mit großer Gefolgschaft das Land und verwalteten an Ort und Stelle. Sie hatten deshalb ihre Send- und Gaugrafen. Es ist urkundlich überliefert, dass der Karolinger Kaiser Karl der III., der "Dicke" genannt, im Jahre 833 mehrere Male in Mindersdorf nächtigte und dort auch Urkunden unterzeichnete. Rast steht daher geschichtlich in Verbindung mit den Orten Mindersdorf, Sattelöse (dem Ort, an dem den Pferden die Sättel gelöst worden sein sollen) und Sentenhart (das wiederum eine Ableitung von Sankta hat). Dort wurde damals auch die heilige Messe gelesen.
Nach "Beyerle" liegt die Vermutung nahe, dass sich im Dreiländerspitz der Walder- und Walbertsweilerstraße (der heutigen Friedhofsfläche mit der Erweiterung gegen Osten, dies ist das Gewann Langenhaag), der Tross sich absetzte und seine Pferde im sog. Langenhaag eingezäunt hatten. Auch wäre die Anhöhe als Aussicht und Beachrichtigungsort denkbar gewesen. Um diese Zeit war die Gegend Königsgut, später kaiserliches Lehen an Kloster Reichenau mit der Auflage "freie Gastung für König und Gefolge" zu gewähren. Der Kern des Dorfes dürfte um diese Zeit an der merkwürdig, ringförmigen Straßenführung gewesen sein.

Als Pfarrei ist Rast erstmals im Jahre 1142 erwähnt. Wann die Kirche erbaut wurde ist nur zu schätzen. Fachleute glauben, dass auf dem heutigen Platz um die erste Jahrhundertwende eine Kirche stand. Jedenfalls ist sie mit dem Ort im Jahre 1056 als Basilika (Rundkirche) erwähnt. Die heutige Kirche ist dem heiligen St. Michael (Kirchenpatron der frühen Kirchengeschichte) geweiht.
Sie ist wohl im 17. Jahrhundert erbaut und 1951 durch Anbau erweitert worden. Oder wäre es sogar möglich, dass der Chorraum vorne die ursprüngliche Rundkirche aus jener Zeit ist?
Der Anbau 1951 wurde zu einem Großteil in Fronarbeit (freiwillig und unentgeltlich) ausgeführt. Ansonsten wäre es drei Jahre nach nach Einführung der DM unmöglich gewesen dieses Projekt zu verwirklichen. (-> Fest der Orgelweihe 1987)
Der wuchtige Kirchturm wird nach "KRAUS" aus dem 13. Jahrhundert geschätzt. Er besitzt zu Verteidigungs- und Angriffszwecken Schießscharten.
Von den drei Glocken die der Turm beherbergt, ist die große Glocke aus dem Jahre 1522 mit der schönen Minuskelschrift erwähnenswert. Die anderen beiden Glocken wurden 1953 wieder angeschafft, nachdem ihre Vorgängerinnen 1943 zu Kriegszwecken vom Turm geholt wurden.

Die Besitz- und Rechtsverhältnisse des Dorfes Rast wechselten im Laufe der Jahrhunderte häufig und rasch. Um 1300 gab es zwar Eigentum, aber überwiegend waren es Leib- und Schlupflehen. Zur kurzen Darstellung der Abgaben und Leistungen die das Lehen eines Hofes als Beispiel erwähnt:
Der damalige Vogt Konrad Amann mit einer Fläche von 113 Juchart (ca. 40 ha) hatte dieses Lehen vom Kloster Wald und entrichtete folgende Abgaben: 5 Malter Veesen (Korn; heute Dinkel), 4 Malter Roggen, 5 Malter Hafer, 1 Hahn, 12 Hühner, 240 Eier und den Transport von einem Wagen Wein von Allensbach nach Kloster Wald, 1 Leibhenne an Kloster Petershausen, Lieferung von 2 Karren Heu an die Pfarrei Rast, Abgabe von 20 Kreuzer Heugeld an die Mainau, Zahlung von 45 Kreuzer Bodenzins an die Franziskaner in Überlingen.
Der Vogt besaß das Leiblehen des Klosters Wald, aber er oder ein Familienangehöriger war Leibeigener des Klosters Petershausen.


Rast gehörte mit der Gerichtsbarkeit und Steuerhoheit dem Kloster Petershausen an. Die Landeshoheit stand Hohenzollern Sigmaringen zu. Bei der Säkularisierung im Jahre 1803, fielen die Kirchen- und Ordensgüter überwiegend dem Fürstenhaus Baden und Hohenzollern zu. Daher besteht der heutige Grundbesitz des Markgrafen von Baden noch immer auf der Gemarkung von Rast. 1812 wurde das Dorf vom Hohenzollerischen Fürstenhaus gegen Ablach an das Großherzogtum Baden ausgetauscht.


Weiteres nicht in Kurzform nennenswert:

Der Friedhof der ursprünglich um die Kirche angelegt war, wurde 1827 in das Dreieck der Walder- und Walbertsweilerstraße verlegt.

Das alte Schulhaus wurde um 1825/30 erbaut und 1880 umgebaut. Das damalige Schul- und Rathaus ist das heutige Wohnhaus der Familie Häuptle.

1906 fasste die Gemeinde den Beschluss, eine gemeindeeigene Wasserversorgung zu erbauen (den sog. Wolfsbrunnen).
Sie wurde 1909 fertiggestellt.

1902 entschloss man sich den elektrischen Strom einzuführen.

Rast war nach dem 2. Weltkrieg ein vollkommen landwirtschaftlich geprägtes Dorf und hatte die verschiedensten bzw. alle notwendigen Handwerksberufe. Dass selbst Pfarrer und Lehrer Landwirtschaft betrieben ist ebenfalls nachweisbar.

Ab 1953 begann die Ansiedelung des Gewerbes. 1967 wurde der erste Bebauungsplan aufgestellt. Dies war für die Weiterentwicklung der Bevölkerung und der Ansiedlung von Arbeitsstätten eine wichtige Voraussetzung.

1964/65 wurde das neue Schulhaus erbaut. Heute ist darin die Grund-, Haupt- und Werkrealschule untergeracht (Auentalschule Sauldorf).

1971 wurde auf dem Friedhof die Aussegnungshalle erstellt.


Text: Anton Binder, anlässlich des Neujahrsempfang 2006

www.haeuptle-rast.de